Historisches Harburg: von und mit Geerd Fischer

Von 05. September 2019 19:00 bis 21:00
Veröffentlicht von Jo Riehle
Kategorien: Info-Abend, Gemütlich
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Historisches Harburg: von und mit Geerd Fischer: Die Geschichte des Grauen Esels von früher bis heute mit besonderem Blick auf die aktuelle Entwicklung des Binnenhafens

Geerd Fischer ist groß, kräftig und spricht laut. Er ist Harburger mit ganzem Herzen und wohnt seit 25 Jahren hier im Hafen. Vater und Großvater haben hier gearbeitet, doch Fischer ist nicht nur deshalb in den Binnenhafen gezogen. Er hat sich verguckt. In ein Haus am Karnapp 5, eines der ältesten Fachwerkgiebelhäuser Hamburgs, das 1642 errichtet wurde. Als er das verfallene Haus Anfang der 80er Jahre entdeckte, machte er das Denkmalschutzamt auf das einmalige Gebäude aufmerksam, das auch nach einiger Zeit die Schutzwürdigkeit anerkannte. „Tja, und dann stellte sich die Frage der weiteren Nutzung und nach einigem Hin und Her mit Investoren fragte man auch mich, also habe ich die damalige Fastruine kurz entschlossen gekauft“, sagt Fischer.

Was sich heute einfach anhört, war in Wirklichkeit ein anstrengender, langjähriger Restaurierungs- und Umbauprozess, der bis 1988 andauerte. Straßenfassade, Hinterfassade, Wände, Decken: bis auf das Holzgerüst wurde das Haus völlig erneuert. Und Fischer packte mit an, wo er konnte. Vor und nach der eigentlichen Arbeit als Stadtplaner in der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, die er noch immer „Baubehörde“ nennt, freie Wochenenden hatte er kaum.

Jedenfalls: die Mühe hat sich gelohnt. Der seit fünf Jahren pensionierte Fischer wohnt auf zwei gemütlich eingerichteten Etagen, die einige Überraschungen bergen. Zum  Beispiel nutzt seine aus Schweden stammende Frau zwei historische Webstühle im Untergeschoss und stellt dort Teppiche her. Fischer selbst ist Soziologe, was auch an der umfangreichen Fachliteratur in seiner ansehnlichen Bibliothek auf den Buchrücken abzulesen ist.

Geerd Fischer kennt alle im Hafen wohnenden Menschen persönlich. Er kommt  mit fast jedem gut klar, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass er Niederdeutsch, also Platt, perfekt beherrscht. Er freut sich auf die neuen Bewohner, die in den nächsten Jahren seine Nachbarn werden, aber betont auch, wie wichtig der Hafen als Wirtschaftsstandort für Harburg ist: „Im Hafen muss weiterhin Geld verdient werden, das hat Priorität“, so Fischer, der noch die goldenen Zeiten kennt, als hier Mühlen oder Holzhandel Arbeit und Wohlstand sicherten.

Beruflich bedingt, kennt Fischer natürlich die Planungen und Entwicklungen im Binnenhafen seit den 80er Jahren aus dem Effeff. Darüber macht er wenig Worte. Auf die Frage, was er sich noch wünsche in seinem Quartier, hat er schnell eine Antwort: „Ein Weinladen wäre ganz schön“.