Videobeweiskonzessionsentscheidung

Videobeweiskonzessionsentscheidung

Eine Konzessionsentscheidung (lateinisch concedere ‚zugestehen') ist ein subjektives Werturteil einer meist im Sport getroffenen Schiedsrichterentscheidung im Zusammenhang mit einer zuvor getroffenen umstrittenen Tatsachenentscheidung. [Wikipedia]

Das Jahr 2019 stand nicht nur im Zeichen des Frauenfußballs sondern auch – und das ist betrüblich – im Zeichen des Videobeweises. Kann funktionieren. Muss aber nicht. Die Parallelen zur Rückstandsanalytik, einem Feld, in dem ich lange zu Hause war (und irgendwie immer noch bin), sind frappierend. Man versucht, Dinge immer genauer zu messen. Im Falle der Analytik in Mikrogramm pro Kilogramm, was einer Fliege im JumboJet entspricht. Genauso ist es beim Videobeweis im Fußball. Und dann werden Zentimeterentscheidungen getroffen. Während die Analytik noch mit Messunsicherheiten hantiert (in der Regel plusminus 50 Prozent) kennt der Videobeweis in der Anwendung in Deutschland nur Schwarz oder Weiß. Ist ein Tor regulär erzielt, gibt’s den Videobe-weiß quasi. Bei strittigen Szenen obsiegt allerdings – und das scheint auch typisch für deutsche Landen – selten die Vernunft, sondern Millimeterentscheidungen.

So zu sehen bei dem wirklich bedauernswerten Mario Gomez, dem in drei Spielen 6 Tore aberkannt wurden. Gut, als Fan des VfB sehe ich das durchschnittlich objektiv, aber gleichwohl! Jeweils wegen einem „Muggeseggele“ (kleinste schwäbische Maßeinheit). Gut, gleicht sich aus. So im Spiel gegen Nürnberg. Hier bekam der VfB nach eben besagter Wiederaberkennung der Treffer aus heiterem Himmel einen Handelfmeter mit wenigen Minuten Verspätung. So ein Quatsch!

Ähnlich beim Halbfinale der Frauen-WM: Erst knappe Abseitsentscheidung gegen England. Dann fragwürdiger Elfer für die Britinnen, genauso bekloppt – ohne dem Liverpooler Trainer zu nahe treten zu wollen. Riecht verdammt nach Konzessionsentscheidung, wo ein Mist mit dem anderen Mist versucht wird, auszugleichen. Gabs im Fußball auch schon immer. Nur mit dem Unterschied, dass man früher nicht minutenlang wartete, um jubeln oder eben nicht jubeln zu dürfen. (Mit Ausnahme Wembley '66, da haben wir vierzig Jahre gewartet)

Das macht den Fußball in der Form kaputt. Also: mein Wunsch für 2020 – und das nicht nur für Super-Mario, den ich für einen grandiosen Sportsmann halte – werdet vernünftig und benutzt euren gesunden Menschenverstand, ihr Videoschiris. Es ist übrigens genauso eine Unsitte, an Stellen wo früher von weniger integren Sportsleuten gelbe Karten gefordert wurden, ein Rechteck pantomimisch zu simulieren. Schneidet euch (nicht nur) hier bitte eine fette Scheibe vom Frauenfußball ab. However: den Elfer haben die Engländerinnen damals übrigens konsequenterweise verschossen. Some things they never change!

Geschrieben von : Jo Riehle