Warum es beim Fußball cleverer ist, kleine Sportschuhe zu tragen…und was der Frauenfußball dem Männerpendant voraus bzw. hinterher hat

Warum es beim Fußball cleverer ist, kleine Sportschuhe zu tragen…und was der Frauenfußball dem Männerpendant voraus bzw. hinterher hat

Eins vorab: Weniger ist manchmal mehr. Nicht immer. Zum Beispiel wenn man die Anzahl der Tore beim Fußball nimmt. Hier ist mehr mehr. Und mehr als der Gegner sowieso.

Vorletztes Wochenende: 2. Liga Männer: SV Sandhausen – VfB Stuttgart. Halbzeitstand: 2:1 für Sandhausen. Mario Gomez schaffte in der Nachspielzeit der 1. Halbzeit den Anschluss. Ich nur am Live Ticker und nebenbei was anderes machen, schaue 20 Minuten später wieder rein. 2:0 für Sandhausen. Videobe(sch)weis(s). Satte drei Tore werden dem guten Mario in diesem Spiel insgesamt aberkannt auf diese Weise. Jeweils ein „Muggeseggele“ (kleinste schwäbische Maßeinheit, also megaknapp, auf Deutsch vielleicht „einen Wimpernschlag“) im Abseits…so endet das Spiel statt 2:4 nun einmal 2:1 (ein reguläres Tor schaffte der VfB dann doch; Elfmeter nach Videobeweis)…hey, was soll das?! Klar, selber schuld, wenn der Supermario mit Schuhgröße 47 unterwegs ist. Hätte der meine bescheidenen 42, hätte mindestens ein Tor gezählt.

Gibt es wirklich Objektivität im Fußball? Beruht der Reiz dieses Sports nicht auf Tatsachenentscheidungen? Naja, ganz so „unschuldig“ sind die Profifußballer selber nicht. Spätestens seit Andi Möllers Schwalbe gegen den KSC annodazumal weiß man: den Jungs ist jedes Mittel Recht. Aber den Videobeweis bei jeder aber wirklich jeder Entscheidung zu befragen, macht den Reiz des Sports nicht nur meiner Ansicht nach kaputt. Ok, schließlich geht’s um viel viel Geld. Dass die armen Vereine und auch der reiche DFB nicht in der Lage sind, Polizeieinsätze bei den Spielen zu bezahlen - geschenkt. Obwohl diese Jungs auch mit Video unterwegs sind.

Mich persönlich nervt ja schon lange das ganze Show-TamTam, das um den Männerfußball gemacht wird. Ich muss nicht jede Ecke, jede Spielminute oder jede Auswechslung von einem Sponsor „präsentiert“ bekommen. (à la„diese Grätsche präsentierte Black&Decker“), kein Vermögen für einen Parkplatz bezahlen oder RTL abonnieren, um ein Länderspiel zu sehen.

Da machen‘s die Frauen besser: Echter Sport. Packende Spiele, wie beispielsweise dieses Wochenende das 4:3 von Potsdam gegen Frankfurt (im Free TV zu sehen) und final auch authentische Sportlerinnen wie die großartige Laura Freigang (siehe Bild), die alle drei Tore für die hessische Gastfrauschaft beisteuerte (die auch zählten). Verloren haben die Gäste dennoch - durch einen umstrittenen indirekten Freistoß am Fünfmeterraum in der Nachspielzeit. Potsdam feiert, der Gästetrainer ist sauer auf alle und alles und der ehrliche Kommentar von Laura Freigang auf die wirklich saublöde Frage "Wie geht es Ihnen?" direkt nach dem Spiel: „Scheiße“! Dass das Talent, das praktisch alle Juniorinnen-Nationalmannschaften durchlaufen hat, direkt in dem Moment auch keine Freude daran hatte, Fragen nach ihrer College-Zeit zu beantworten. Geschenkt. Konsequent. Ebenso konsequent ist es, dass der Sponsor der Liga „Flyeralarm“ heißt. Also: Achtung vor Schwalben – sonst kommt der Videobeweis.

Was meint eigentlich der „Esel“: „Oh Jo, Du bist da nicht neutral und auch ziemlich scheinheilig unterwegs. Hast Dich vor Jahren aufgeregt, dass der HSV seine Frauenmannschaft wegen fehlender 200000 EUR abgemeldet hat – mit grottiger Kommunikation nach innen und außen übrigens…Da ist der VfB schlauer: der bemüht sich erst gar nicht in diese Richtung…und Du bist immer noch Fan!“

Da möchte ich einwenden: Es gibt da doch in der Nähe den VfB Obertürkheim. Hat nix mit dem vorderen Orient zu tun, obwohl Stuttgarts östlichster Stadtteil. Vielleicht geht da ja was? In Frankfurt klappts ja auch! Die Hoffnung stirbt zuletzt…wobei der VfB Stuttgart wie der HSV ja nur in der zweiten Liga spielt. Das haben die beiden nun davon, dass die frauenfußballfeindlich eingestellt sind...und Hoffnung macht ja auch Hoffenheim...Hoffen wirs mal!

Geschrieben von : Jo Riehle